6. Internationale Tagung „Erinnern oder Vergessen? Die Wahrnehmung des Deutschen Ordens vom 19. bis ins 21. Jahrhundert“
Bei dieser Tagung der Forschungsstelle Deutscher Orden (FDO) ging es um die grundsätzliche Frage nach den Erinnerungskulturen an den Deutschen Orden im 19. und 20. Jahrhundert. Napoleon hat bekanntlich den Orden 1809 für aufgelöst erklärt, nur im habsburgischen Kaiserreich konnte er weiter existieren. Die historischen Veränderungen mussten Auswirkungen auf die Akzeptanz des Ordens in den europäischen Ländern haben. In den Grußworten von Dr. Uwe Klug, Kanzler der Universität Würzburg, und Prof. Dr. Thomas Baier, Dekan der Philosophischen Fakultät, wurde die Wichtigkeit der FDO und deren Relevanz für die europäische Geschichtsforschung hervorgehoben.
Die beiden ersten Referenten, Prof. Dr. Helmut Flachenecker und PD Dr. Katharina Kemmer, beschäftigten sich mit zwei Ehren- und Professrittern des Deutschen Ordens, mit Eduard Karl Borromäus Gaston Graf und Freiherr Pöttickh von Pettenegg (1847–1918), der auch die Hauptperson der gleichzeitig stattfindenden Ausstellung darstellt, und Friedrich Remigius Franz Josef Johann Nepomuk Adam Graf von Belrup-Tissac (1879–1970) und deren konkretes Wirken für den Orden. Am Abend beschäftigte sich Hochmeister Frank mit den theologischen Prämissen der „Heiligen Unruhe“.
Am zweiten Tag referierte Prof. Dr. Matthias Stickler über die Bedeutung der Habsburger für den Deutschen Orden im langen 19. Jahrhundert. Danach führte Dr. André Jesinghaus aus, welchen Einfluss Hochmeister Wilhelm für die Akzeptanz des Ordens hatte. Bei den Vorträgen von Benedikt Weigand und Dr. Renger E. de Bruin ging es um regional-kulturelle Identitäten des Ordens im Elsass und den Niederlanden bis in die Gegenwart. Nach der Mittagspause beschäftigte sich Prof. Dr. Peter Hoeres mit der medialen Aufmerksamkeit, welche die Investitur Konrad Adenauers zum Ehrenritter im Westen wie im Osten hervorrief. Dr. Juhan Kreem und Prof. Dr. László Pósán reflektierten über die Wahrnehmung des Ordens im historischen Bewusstsein von Estland und Ungarn bis heute. Der polnischen Perspektive von Erinnern und Vergessen widmeten sich zwei Vorträge: Zum einen sprach Prof. Dr. Roman Czaja über die Erinnerungspolitik der Republik Polen (1918–1939) aus der Position der unterdrückten Landsleute, zum anderen berichtete Dr. Gregory Leighton über das Forschungszentrum für das Erbe des Deutschen Ordens im Schlossmuseum Malbork.
Die Beschäftigung mit der Wahrnehmung des Ordens von Forscherinnen und Forschern aus Estland, Polen, Ungarn, Niederlande, Österreich und Deutschland hat neue Einsichten gebracht, teilweise Korrekturen bisheriger Meinungen gewährt und die Relevanz des Themas stark unterstrichen. Für Juni 2027 ist eine Fortsetzungs-Tagung auf der Marienburg geplant. Für die Unterstützung bei der Ausrichtung der diesjährigen Ausstellung sei vor allem dem Hochmeisteramt des Deutschen Ordens, Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Salch und dem Muzeum Zamkowe w Malborku gedankt. Ferner möchte sich das Team der Forschungsstelle herzlich bei allen Tagungsgästen, Referenten wie Diskutanten, bedanken sowie bei all denjenigen, die durch Unterstützung oder ihren Besuch zum Erfolg der Tagung beigetragen haben.
In der gleichzeitig eröffneten Ausstellung zu Pöttickh von Pettenegg steht das von Pettenegg gestiftete Missale Romanum (1901) mit einem herrlichen versilberten Bucheinband im Mittelpunkt. Dieses prachtvolle Exemplar wurde von Ehrenritter Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Salch erworben und der Forschungsstelle als Dauerleihgabe übergeben. Die kleine Ausstellung kann bei Interesse bei der FDO ausgeliehen werden.
Professor Dr. Dr. h. c. Helmut Flachenecker FamOT