Investitur in Regensburg (Teil 1/2)
Die diesjährige Investitur in Regensburg feierte der Deutsche Orden an einem Ort mit 816-jähriger Ordensgeschichte.

Regensburg, die ehemalige Freie Reichsstadt an der Donau, ist auf besondere Weise mit der Geschichte des Deutschen Ordens verbunden. Am 11. Mai 1189 brach Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, von Regensburg aus zum Dritten Kreuzzug auf. Aus diesem Feldzug ging später vor Akkon der Deutsche Orden hervor. Historisch belegt ist zudem die Mitwirkung des Regensburger Bischofs Konrad III. von Laichling, der 1198 die Umwandlung der Hospitalgemeinschaft in einen geistlichen Ritterorden unterstützte. Zu den frühen Niederlassungen des Ordens im deutschen Sprachraum zählt das Haus St. Ägid in Regensburg. 1210 schenkte nämlich Herzog Ludwig I. von Bayern, der Kelheimer, dem Deutschen Orden die ehemalige Burggrafenpfalz mit Pfalzkapelle, Spitalkirche St. Ägid und weiteren Besitzungen. Seit 1224 ist die Kommende St. Ägid urkundlich nachweisbar. Fast sechs Jahrhunderte lang war das Deutsche Haus Sitz der Regensburger Kommende. Mit der Säkularisation von 1809 endete die Ordenspräsenz. Doch 1977 gelang es, das historische Gebäude wieder mit dem Deutschen Orden zu verbinden. Familiaren aus dem Raum Regensburg übernahmen die Anlage, renovierten sie grundlegend und führten sie als Familiarenwerk mit Alten- und Pflegeheim weiter. Heute sind die Familiaren durch mehrere Einrichtungen der Seniorenbetreuung und Altenpflege in Regensburg vertreten. Damit verwirklichen sie den Ordensauftrag des Helfens und Heilens und setzen die jahrhundertealte Verbindung von Orden und Dienst am Nächsten fort.
Balleimeister Thomas Jünger und Komtur Dr. Thomas Koch konnten zu den Investiturfeierlichkeiten einundzwanzig Neufamiliaren und dazu fast vierhundert Gäste begrüßen, darunter Hochmeister Frank, den Prior der Brüderprovinz Deutschland, Pater Christoph Kehr, den Prior der Brüderprovinz Österreich-Italien, Pater Christian Stuefer, Generalökonom Frater Fabian Lechner, Generalrat Pater Christoph Waldner aus Südtirol, Generalassistentin und Oberin Schwester Maria-Franziska Meier sowie den Balleimeister der Ballei Österreich, Hofrat PD Dr. Helmut Wohnout.
Wieder wurde das Investiturwochenende von drei über die Maßen beeindruckenden Gottesdiensten getragen und geprägt.
Am späteren Freitagnachmittag begannen die Feiern mit der Pontifikalvesper in der Basilika Unsere Liebe Frau zur Alten Kapelle, die als „anvanck aller gotz häuser in Bayrn“ gilt, als älteste Kirche und damit die Mutterkirche Bayerns. Der Überlieferung nach ließ sich hier im 7. Jahrhundert Herzog Theodo von Bischof Rupert von Salzburg taufen und leitete damit die Christianisierung Bayerns ein. Kunstgeschichtlich gesehen gilt die Basilika als die bedeutendste Rokokokirche Bayerns nach der Wieskirche. Der Überlieferung zufolge erhielt Kaiser Heinrich II. anlässlich seiner Kaiserkrönung im Jahr 1014 von Papst Benedikt VIII. ein Gnadenbild der Gottesmutter geschenkt, das bis heute in der Basilika verehrt wird. Offiziant und Prediger der Vesper war der Regensburger Bischof Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, Ehrenritter des Deutschen Ordens. In seiner Predigt stellte Bischof Rudolf das Wort der Kurzlesung „Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ aus dem Lukasevangelium (Lk 11,27–28) in Beziehung zum Gruß Elisabeths an ihre Verwandte Maria „Selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45). Maria habe dem Wort Gottes geglaubt und sei bereit gewesen, es anzunehmen. Durch sie sei das Wort Mensch geworden. In einer seiner Predigten habe Joseph Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., hingewiesen, dass mit Maria auch das Gleichnis Jesu vom Sämann und der Saat ausgelegt werden könne. Bei ihr sei das Wort Gottes auf fruchtbaren Boden gefallen, ihr Herz sei fruchtbare Erde von großer Tiefe. Gerade in unseren Tagen der Oberflächlichkeit sei diese Tiefe vonnöten, darin liege ein Auftrag für alle Christen und für die Mitglieder des Deutschen Ordens. Denn wichtig sei nicht bloß das, was man zählen, messen und kurzfristig vermarkten könne. In diesem Sinne wünschte Bischof Rudolf allen Teilnehmern der Investiturfeier Tage, die neben der Begegnung und dem Feiern auch der Besinnung und dem Hören Raum geben. Im Anschluss an die Homilie segnete Hochmeister Frank die geistlichen Zeichen – Kreuze, Mäntel und Rosenkränze – und übergab jedem Investiturkandidaten den Rosenkranz mit den Worten “Nimm den Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria. Er sei dir ein Zeichen, dass du ein Sohn Mariens bist. Bete ihn zu deinem Heil, zum Segen für die heilige Kirche und für unseren Deutschen Orden“. Musikalisch wurde die Vesper von der Schola der Komturei „An der Donau“ unter Leitung von Valentin Koch sowie den Confratres Daniel Reisinger und Ludwig Schmitt gestaltet.
Der Pontifikalvesper schloss sich ein Festakt im historischen Reichssaal an, zu dem die Bayerische Staatsregierung und die Stadt Regensburg in das Alte Rathaus in den Reichssaal eingeladen hatten. Seine größte historische Bedeutung erhielt der Reichssaal ab 1663, als dort der Immerwährende Reichstag des Heiligen Römischen Reichs bis 1806 tagte. „Die Welthauptstadt der Kirchenmusik“, wie der Komponist Franz Liszt Regensburg einmal bezeichnet hat, war auch bei diesem Festakt musikalisch präsent, der Mädchenchor der Regensburger Domspatzen umrahmte mit seinen wunderbaren Stimmen die drei Ansprachen des Abends. Den Auftakt machte der Regensburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger, welcher nicht nur die Berührungspunkte von Stadt und Orden in Geschichte und Gegenwart beleuchtete, sondern auch voll des Lobes für das Engagement des Ordens in der Regensburger Stadtgesellschaft war. Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, selbst Malteser und Grabesritter, sprach in „ordensbrüderlicher Freundschaft“ zur Festversammlung, dankte für das karitative Engagement des Ordens und schrieb den Gästen ins Stammbuch: „Künstliche Intelligenz ist gut, wahrer Glaube ist noch stärker.“ Hochmeister Frank freute sich, Worte an die rund 330 Gäste richten zu dürfen. Er sei wohl der Hochmeister in der über 800-jährigen Ordensgeschichte, der bisher am häufigsten in Regensburg gewesen sei. Dabei freue ihn besonders, dass die Verbundenheit des Ordens und der Einsatz für die Menschen in Regensburg auch in der Gegenwart nicht nachgelassen habe. Bei einem Stehempfang in den Fürstlichen Nebenzimmern konnte sich die Festgesellschaft über die vielen Impulse der Ansprachen austauschen.
Dem Gespräch diente auch das anschließende Treffen von Hochmeister Frank mit den Investiturkandidaten und ihren Ehepartnern oder Verlobten. Hochmeister Frank hatte sich dieses Treffen am Vorabend der Investitur gewünscht, um alle Neufamiliaren vor der Einkleidung kennenzulernen. Und in der Tat ergaben gewinnende Unterhaltungen.
Fortsetzung des Berichts in Teil 2.
Thomas Jünger FamOT
Balleimeister • Deutschherrenmeister
Fotos: © Stefan Hanke