„Wenn ihr uns braucht, sind wir für euch da“ – Fronleichnam in München
Mehr als 15.000 Menschen versammelten sich zu Fronleichnam auf dem Marienplatz in München, um bei strahlend weiß-blauem Himmel gemeinsam zu feiern. In München soll diese Tradition bereits im Jahr 1343 ihren Anfang genommen haben. Die Komturei „An Isar, Lech und Donau“ nahm mit elf Confratres teil, neben den weiteren Prozessionen in unserer Komturei in Augsburg, Eichstätt und Ellingen, bei denen ebenfalls Confratres und Consorores zahlreich vertreten waren. Nachdem die Familiaren bereits am Papstsonntag gemeinsam mit den Vertretern des Ritterordens vom Heiligen Grab sowie des Malteserordens das Pontifikalamt feiern konnten, waren zu Fronleichnam zusätzlich auch Vertreter des Hausritterordens vom Heiligen Georg sowie Vertreterinnen der Kongregation der Adeligen Dienerinnen Mariens anwesend.
Seine eindrucksvolle Predigt begann Reinhard Kardinal Marx mit einem Bezug auf Mose, der das Volk in das gelobte Land geführt hatte. Aufbruch beginnt immer mit Erinnerung. Vergegenwärtigung ist wichtig, wir sind in einer ähnlichen Situation wie Mose damals: Wo wollen wir hin? Wir müssen in einer offenen Gesellschaft miteinander reden, die unterschiedlichen Religionen, Gläubige und Ungläubige. Wir müssen eine Gesellschaft bauen im Miteinander, mit Respekt und Anerkennung. Dagegen kommen heute die Stimmen, wir müssten eine homogene Gesellschaft sein mit einer Stimme und einer Weltanschauung. Damit würden wir aber zurückfallen in eine Gesellschaft, in der einzelne bestimmen, was alle tun sollen. Das widerspricht dem christlichen Glauben und der Freiheit des Menschen als Geschenk Gottes. Auch Papst Leo XIV. betont in seiner neuen Enzyklika, dass es Dialog und Regeln braucht und nicht nur einzelne Menschen über die Zukunft bestimmen dürfen. Wir Christen müssen einen Beitrag dazu leisten, Hoffnung und Ziele in die Welt zu tragen, Freude und Ermutigung. Christus ist das Brot des Lebens und die Nahrung der Welt, er ist gegenwärtig, der Tisch ist bereitet. Fronleichnam redet nicht von der Vergangenheit, sondern von der Gegenwart: Jetzt ist die Zeit, jetzt haben wir Christen unseren Beitrag zu leisten. Wir jammern und klagen nicht, sondern wir tragen das Brot durch die Straßen und zeigen: Wir sind sein Leib. Wir zeigen unseren Glauben mit unserer Freude und machen ein Angebot an die ganze Welt: „Wenn ihr uns braucht, sind wir für euch da“. Das ist die Botschaft des Brotes der Eucharistie, die Botschaft von Fronleichnam.
Anschließend zog die große Prozession über die Residenzstraße zur Ludwigskirche zum Segensaltar und über die Ludwig- und Theatinerstraße zurück zum Marienplatz, wo der eucharistische Segen gespendet wurde. Bei dem feierlichen Abschluss auf dem Marienplatz wurde traditionell die Bayernhymne gesungen.
Danach trafen sich die Confratres mit den befreundeten Orden der Malteser und Grabesritter sowie katholischen Studentenverbindungen im Weißen Saal des Augustiner Stammhauses zum Weißwurstfrühstück auf großzügige Einladung von Confrater Robert Brannekämper MdL, der die Anwesenden herzlich begrüßte. Domvikar Pfarrer Daniel Lerch bedankte sich bei den Vertreterinnen und Vertretern der Orden, sie seien eine sichtbare und zuverlässige Speerspitze des katholischen Glaubens in der Gesellschaft, was heute wieder gezeigt worden sei.
Tobias Noss FamOT
Komtureikanzler