Balleiwallfahrt nach Mariahilf in Passau
Nach Maria Birnbaum, Kevelaer und Rom in den letzten Jahren führte die diesjährige Balleiwallfahrt am 30. Mai 2026 nach Passau, um zur Gottesmutter Maria, der „Schutzfrau des Ordens von Anbeginn“, zu pilgern. Mit der Wallfahrt verknüpften die Familiaren als Zeichen ihrer Verbundenheit einen Besuch bei den Deutschordensschwestern im Kloster St. Nikola.
Vierzig Gäste – Consorores, Confratres und Angehörige – waren aus den deutschen Komtureien und der österreichischen Komturei „An Enns und Salzach“ in die Dreiflüssestadt Passau an der Grenze zu Österreich gekommen. Ziel der Wallfahrt war das Gnadenbild Mariahilf ob Passau. Denn hoch über der Passauer Innstadt erhebt sich die barocke Wallfahrtskirche Mariahilf mit ihren markanten Turmhelmen und dem angegliederten Paulinerkloster. Die barocke Klosteranlage aus dem 17. Jahrhundert erlangte einst als Marienwallfahrtsort große Bedeutung und dem Gnadenbild am Hochaltar wurde europaweite Verehrung zuteil, obwohl es eigentlich nur eine Kopie ist. Das Original, gemalt von Lucas Cranach, erhielt im Jahr 1611 der Fürstbischof von Passau, Leopold Erzherzog von Österreich, als Gastgeschenk. Bevor Leopold es mit an seine neue Wirkungsstätte als Landesfürst in Tirol nahm, ließ Domdekan Marquard von Schwendi den Passauer Maler Pius eine Kopie anfertigen. Das Original befindet sich bis heute im Dom St. Jakob in Innsbruck. Ruhm brachte der Gnadenbildkopie schließlich der Habsburger Kaiser Leopold I. Dieser flüchtete 1683, als die Türken Wien umzingelt hatten, mit Familie und Hofstaat nach Passau und betete täglich vor dem Marienbild um Befreiung. „Maria Hilf“ wurde der Schlachtruf im Kampf gegen die Türken, die letztlich in der Entscheidungsschlacht am Kahlenberg besiegt wurden. Das Passauer Marienbild wurde zum Staatsgnadenbild der Habsburger. Bis 1803 (Säkularisation) und dann wieder ab 1890 war auf Mariahilf ein Kapuzinerkloster. Seit 2002 ist dort der Paulinerorden ansässig.
Angekommen im Kloster St. Nikola und begrüßt von Schwester Maria-Franziska Meier, der Frau Oberin, startete die Fußwallfahrt mit einer Statio bei der Banneux-Madonna im Klosterhof, dann ging es vom Kloster an den Inn, den Fluss entlang, über die Marienbrücke und den steilen Mariahilfberg hinauf zur Wallfahrtskirche. Für das Gebet bergan, darunter die Lauretanische Litanei und der glorreiche Rosenkranz, hatte Pater Jörg Weinbach, der Geistliche Assistent der Ballei, ein umfangreiches Pilgerheft vorbereitet.
In der Wallfahrtskirche wurde unter Leitung von Pater Jörg die heilige Messe gefeiert. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst durch das brillante Orgelspiel von Confrater Dr. Markus Eberhardt, der von Violine und Singstimme begleitet regionale (Passau, Salzburg, Innsbruck, Straubing) Kirchenmusik zur Aufführung brachte. Die Messfeier beschloss mit dem Gebet zur Mutter von der immerwährenden Hilfe eine Weihe an die Gottesmutter. Zurück im Nikolakloster warteten bayerische Spezialitäten wie ein Spanferkel als Mittagstisch, zu dem die Deutschordensschwestern eingeladen hatten.
In der Hauskapelle leiteten ein spannender Vortrag von Schwester Mirjam Müller zur Geschichte der Schwestern in Passau und eine bewegende Reflexion von Schwester Maria-Regina Zohner über die Gestaltung der Kapelle dann zur Maiandacht mit Aussetzung des Allerheiligsten Altarsakraments über. Offiziant Pater Jörg stellte unter dem Titel „Schutzfrau von Anbeginn“ eine Betrachtung zur Entstehung und Namenswahl unserer Gemeinschaft – Hospital Sankt Mariens der Deutschen zu Jerusalem – an. Der Text ist mit Balleibrief 14/2026 zeitgleich mit der Andacht an alle Familiaren ausgesendet worden.
Nach Genuss leckeren Kuchens und deliziöser Torten machten sich die Wallfahrer auch spirituell gestärkt auf den Weg nach Hause und in den Dreifaltigkeitssonntag. Bereichert waren alle auch durch die vielen Gespräche mit den sämtlich anwesenden Schwestern, die sich über die Besucher, das Gebet miteinander und den gemeinsam verbrachten Tag sichtbar freuten. Der Dank der Gäste galt allen Passauer Deutschordensschwestern, insbesondere Schwester Maria-Franziska für die Einladung, die gewährte Gastfreundschaft und die gelebte Verbundenheit.
Zum Abschluss das Gebet, welches Pater Jörg mit den Wallfahrern am Ende der Andacht betete:
Heilige Maria, Mutter Gottes, Schutzfrau des Ordens von Anbeginn, du warst die Hoffnung und die Zuversicht unserer Väter, die das Hospital Sankt Mariens der Deutschen zu Jerusalem gegründet haben. Deinem Schutz haben sie sich anvertraut, weil sie um die Macht deiner Fürsprache wussten. Breite deinen schützenden Mantel auch heute über unsere Gemeinschaft aus: über unseren Hochmeister, alle Oberen, über die Brüder, Schwestern und Familiaren, und über alle, die unserer oder der unsrigen Sorge anvertraut sind, über unsere Angehörigen, Freunde und Wohltäter und alle, die sich unserem Gebet empfohlen haben; ja, sogar über unsere Widersacher und alle, für die wir besonders zu beten schuldig sind, damit wir auf dem Weg nicht abirren oder liegen bleiben. Erflehe uns Glaubenstreue sowie Gottes Gnade und Barmherzigkeit, damit wir hinfinden zum himmlischen Jerusalem und zum Haus des Vaters, in dem du mit allen Engeln und Heiligen vor dem Antlitz Gottes lebst.
Heilige Maria, Schutzfrau des Ordens von Anbeginn, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen!
Thomas Jünger FamOT
Balleimeister • Deutschherrenmeister