Nachruf auf Altkomtur Gerhard Anton Meinl
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Altkomtur Gerhard Meinl, den der Herr am 26. Februar, im Alter von nur 69 Jahren, nach kurzer schwerer Krankheit zu sich gerufen hat.
Die wohl traurigste Aufgabe eines Komturs ist die Begleitung eines Confratres, einer Consoror auf seinem oder ihrem letzten Weg. Besonders schwer wird es, wenn es einen völlig unerwartet und ohne Vorwarnung trifft – stand man ja gefühlt erst vor Kurzem noch in Kontakt miteinander. Als sein Vizekomtur bereitete Komtur Gerhard Meinl mich 2022 auf die Übernahme seines Amtes vor und blieb seitdem (selbst wenn er kein Amt innehatte) mit Rat und Tat präsent. Ob man jemanden wirklich kannte, stellt sich dann heraus, wenn es darum geht, sich Gedanken um einen Nachruf zu machen. Es gibt aber auch immer jemanden, der den Verstorbenen besser kannte, und so beeindruckte mich der Nachruf von Andreas Vogelmeier, Gerhards Wohnsitzpfarrer, während des Requiems. An den Reaktionen der Trauergemeinde konnte ich erkennen, dass er Gerhard in all seinen Facetten so beschrieben hat, wie ihn die meisten in Erinnerung hatten. Mit Genehmigung von Pfarrer Vogelmeier darf ich im Folgenden seinen Nachruf teilen:
„Vor dem Altar steht heute eine Trompete. Es ist das Gesellenstück von Gerhard, das er vor langer Zeit angefertigt hat. Letztes Jahr durfte ich darauf spielen – es ist ein wirklich gutes Instrument geworden, ein würdiges Gesellenstück. Die Trompete ist ja an sich ein edles Instrument! Und wenn ein Trompeter sein Instrument beherrscht, dann klingt es niemals ordinär. Laut durchaus, wenn es sein muss. Ich würde sie eher präsent nennen. Und: Die Trompete verleiht einem Orchester Glanz und Obertöne. In der Oper tritt sie dann auf den Plan, wenn es wirklich wichtig wird.
Genauso habe ich Gerhard immer erlebt. Er war kein lauter Mensch. Er war präsent, über-all. Auf den Punkt da. Auf ihn war immer Verlass. Wenn man ihn um Rat fragte oder nach seiner Einschätzung eines bestimmten Sachverhaltes, konnte er stets kompetent Auskunft geben. Er hat für Glanz gesorgt: in seiner Familie, in unserer Stadt, in seinem Betrieb, in unserer Stadtkirche, in unserem Rotary-Club, beim Deutschen Orden und in den unglaublich vielen Gremien, in denen er tätig war.
Viele Menschen haben mich in den letzten Tagen angesprochen. Zum einen brachten sie ihre Fassungslosigkeit über seinen Tod zum Ausdruck und zum anderen bestätigten mir alle, dass er es geschafft hat, immer den richtigen Ton zu treffen, selbst bei kontroversen Diskussionen. Nach einem Gespräch mit ihm ging man mit einem guten Gefühl nach Hause.
Gerhard war ein Mensch voll Energie, feinem Humor, Lebensfreude. Er liebte die Kultur, gutes Essen, guten Wein und auch hin und wieder eine gute Zigarre. Er war großzügig, belesen, gebildet. Man konnte sich mit ihm so wunderbar austauschen und unterhalten. Bei jedem Gespräch mit ihm habe ich etwas dazu gelernt, sogar wenn es um Theologie ging. Und wenn wir mal theologisch nicht 100-prozentig einer Meinung waren, dann war da noch sein sinniger Humor …
Ich sage das jetzt ganz bewusst: Gerhard war einfach ein edler Mensch. Ein Mensch, dem so viele Menschen viel zu verdanken haben. Ein Mensch der durch seinen Tod eine sehr schmerzhafte Lücke in seiner Familie, seinem großen Freundeskreis und an so vielen anderen Orten hinterlassen wird. Dieser besondere Mensch wird an allen Ecken und Enden fehlen. Er wird uns allen fehlen.
An einem Tag wie heute ist es guter Brauch, auch auf die Lebensstationen zu schauen, die einen Menschen geprägt haben: Geboren wurde Gerhard am 5. September 1957 in Kempfenhausen als einziges Kind der Eheleute Anton und Maria Meinl, die beide aus dem Sudentenland stammten. Er ging in die katholische Bekenntnisschule Geretsried und auf das Gymnasium Bad Tölz. Zehn Jahre leistete er seinen aktiven Dienst beim erweiterten Katastrophenschutz THW. Es folgte das Studium der Rechtswissenschaften und der Philosophie in München und das 1. und 2. Staatsexamen. Danach machte Gerhard eine Lehre als Metallblasinstrumenten- und Schlagzeugmacher im elterlichen Unternehmen und übernahm die Geschäftsführung der Wenzel Meinl GmbH. Daneben war Gerhard noch als Rechtsanwalt tätig. Das zeigt uns schon, wie vielfältig Gerhard beruflich aufgestellt war. Ich habe mir schon des Öfteren gedacht, dass Gerhards Tage wohl mehr Stunden hatten als unsere.
Nach dem Fall der Mauer privatisierte Gerhard den Volkseigenen Betrieb ‚VEB Blechblas und Signal‘ im Vogtland und formte durch internationale Zukäufe, u.a. in den USA und Frankreich, eine weltweit agierende Unternehmensgruppe. Gleichzeitig war der Politiker Gerhard 40 Jahre im Stadtrat in Geretsried, dabei zwölf Jahre zweiter und weitere zwölf Jahre dritter Bürgermeister.
Als Familiare des Deutschen Ordens engagierte er sich als Komtur der Komturei „An Isar, Lech und Donau“ sowie als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschordenswerke.
Gerhard war seit seiner Studienzeit ein engagiertes und prägendes Mitglied der Studentenverbindungen KDStV Trifels München und Teutonia Fribourg, Schweiz.
Neben all diesen fordernden Aufgaben war Gerhard noch in zahlreichen Gremien, Aufsichtsräten, Ständen und Vereinigungen tätig: Ich kann jetzt nur einige nennen, weil es so viele waren: im Deutschen Musikrat, Bundesherstellerverband für Musikinstrumenten-Hersteller, der IHK, Herrenclub und Rotary. Es ist schon unfassbar, wie viel ein einzelner Mensch bewegen, gestalten und prägen kann. Gerhard hat gelebt und gearbeitet für drei.
Natürlich wurden ihm auch zahlreiche Ehrungen zuteil für sein unglaubliches Engagement: ich nenne hier jetzt nur das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und den ‚Lifetime Achievement Award‘ der Internationalen Tuba und Euphonium Vereinigung.
Gerhard war nicht nur Unternehmer und Politiker, sondern ein stets loyaler Freund, der seinen Freundeskreis mit Hingabe pflegte. Uli war die Frau an Gerhards Seite, die zu ihm und seinem Leben gehörte. Kennengelernt haben sich die beiden in der Referendarszeit in München. Uli unterstützte seine vielfältigen Aktivitäten und teilte insbesondere seine Liebe zur Musik. In Alexander, den er liebevoll Buarle nannte, fand Gerhard einen Sohn. Die gemeinsam verbrachten zehn Jahre, selbstverständliche Verbundenheit und gegenseitige Liebe haben ihn sehr glücklich gemacht. Dass er die Vaterrolle mit so viel Freude und innerer Selbstverständlichkeit leben durfte, war für ihn ein großes Geschenk.
Ich habe davon gesprochen, dass wir immer wieder ein gutes Wort brauchen, das uns an-dere Menschen zusprechen. Und weil Gerhard ein großer Musikliebhaber war, möchte ich zum Schluss meine Stimme einer großen Künstlerin leihen, nämlich der französischen Pianisten Helene Grimaud. Sie gilt als die Philosophin am Klavier und sie hat den Tod auf ihre ganz persönliche Weise gedeutet: ‚Der Tod lässt den dissonanten Akkord von Leben und Leid erklingen, und nur der Tod kann ihn auflösen.‘
Ich deute diesen Gedanken von Helene Grimaud folgendermaßen: Unser Leben ist trotz aller Schönheit nie ganz frei von Dissonanzen, also frei von Leid, von Schmerz und von Trauer. Der Tod nun löst diese Dissonanzen auf und öffnet die Tür zur ewigen Harmonie, die wir Gott nennen. Gott ist die Harmonie, nach der wir uns unser ganzes Leben lang sehnen. Doch diese Harmonie wird uns zu Lebzeiten nie vollkommen geschenkt. Erst der Tod macht diese Vereinigung möglich.
Und so hat nicht der Tod das letzte Wort, sondern das letzte Wort hat Gott sich vorbehalten. Und dieses Wort heißt leben. Daran halten wir uns jetzt fest – und an der Hoffnung, dass es einst ein Wiedersehen geben wird, im Reich Gottes. Amen.“
Lieber Gerhard, Du hast Spuren bei uns allen hinterlassen – Dein Wirken und Wesen werden uns stets in Erinnerung bleiben. Möge der Herr Dich zum Licht führen!
Mario Külgen FamOT
Komtur