Kreuzweg der Völker
Seit 1998 findet an jedem Karfreitag in der Münchner Innenstadt der große „Kreuzweg der Völker“ statt, eine Karfreitagsprozession, organisiert vom Erzbischöflichen Ordinariat, die von den muttersprachlichen Gemeinden gestaltet wird. Zu dieser Prozession, die ein Zeichen für die Verbundenheit von Menschen über Sprachen und Konfessionen hinweg ist, waren auch wie immer Vertreterinnen und Vertreter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, des Malteserordens sowie der Familiaren des Deutschen Ordens eingeladen. Generalvikar Christoph Klingan und der Apostolische Exarch Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh für die Ukrainer führten durch die vierzehn Stationen.
Nach dem feierlichen Beginn in der Jesuitenkirche St. Michael begann der Weg durch die Fußgängerzone bis zum Marienplatz. Jede Station wurde von einer anderen muttersprachlichen Gemeinde gestaltet und jeweils passend dazu ein Lied in der jeweiligen Landessprache gesungen. In diesem Jahr waren neben den naheliegenden Sprachen wie Englisch, Spanisch, Italienisch, Kroatisch oder Portugiesisch auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Ukraine, Vietnam, Afrika, Chaldäische Christen und Syrisch-Arabische Christen mit der Gestaltung der Stationen beauftragt. Eine Station wurde explizit von Jugendlichen gestaltet, die ein besonders flammendes Plädoyer für den katholischen Glauben hielten und dabei betonten, dass Glaube immer jung sei und gerade für die Jugend höchste Anziehungskraft besitze. Die Familiaren sowie die Vertreter der Grabesritter hatten während der einzelnen Stationen die Aufgabe, in der Menschenmenge aus vielen hundert Menschen in der Fußgängerzone jeweils ein Spalier zu bilden, damit Generalvikar und Bischof zum Kreuz hin das Gebet eröffnen konnten.
Den feierlichen Abschluss fand die Prozession auf dem Marienplatz, wo Erzbischof Reinhard Kardinal Marx in seiner abschließenden Ansprache einen lauten und deutlichen Aufruf für den Frieden in der Welt ergehen ließ, der wiederholt von Applaus begleitet wurde. Dabei betonte er vor allem die aktuellen Kriege in der Ukraine und im Iran und forderte, dass die Waffen sofort verstummen müssten. Wir Christen aller Sprachen und Kulturen stünden für die universale Menschheitsfamilie, die zusammengehöre und die gemeinsam einen Weg gehen müsse. Das Kreuz bezeichnete der Erzbischof als Zeichen der universalen Liebe Gottes, mit dem Rassismus und Nationalismus, ein Gegeneinander der Völker, Hass und Gewalt unvereinbar seien. Über Sprachen und Kulturen hinweg seien alle Menschen eine Gemeinschaft. Gerade der „Kreuzweg der Völker“ in München in Anwesenheit so vieler verschiedener Kulturen machte diese Botschaft glaubwürdig und spürbar: Das Kreuz Jesu als das völkervereinigende Symbol des Friedens und des Sieges über das Böse in der Welt.
Tobias Noss FamOT
Komtureikanzler