Mathildenfest in Quedlinburg
Zum ersten Mal beteiligten sich Familiaren und Kandidaten der Subkomturei „Sachsen und Thüringen“ am „Fest der Heiligen Königin Mathilde“ in Quedlinburg im Bistum Magdeburg, wo dieses Patrozinium seit über dreißig Jahren gefeiert wird. Die Familiaren kamen auf Einladung des Landespolizeipfarrers des Landes Sachsen-Anhalt, Marco Vogler, der auch geistlicher Moderator der Pfarrei St. Mathildis in Quedlinburg ist.
Die heilige Königin Mathilde (895–968) gehört zu den bedeutendsten Frauengestalten des frühen Mittelalters. Als Gemahlin König Heinrichs I. und Mutter Kaiser Ottos I. prägte sie nicht nur die Geschichte des ottonischen Reiches, sondern auch das geistliche Leben ihrer Zeit in außergewöhnlicher Weise. Geboren als Tochter des sächsischen Grafen Dietrich wuchs Mathilde in einem christlich geprägten Umfeld auf. Ihre Erziehung im Frauenstift Herford unter der Leitung ihrer Großmutter vermittelte ihr eine tiefe Frömmigkeit, Bildung und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Mit etwa vierzehn Jahren wurde sie mit Heinrich, Herzog von Sachsen, vermählt. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, darunter Kaiser Otto I., der das ostfränkische Reich zur europäischen Großmacht führte, sowie Bruno, später Erzbischof von Köln. Mathilde verstand ihre königliche Würde stets als Auftrag zum Dienst. Ihr Herz galt den Armen, Kranken und Bedürftigen. Sie gründete und förderte zahlreiche Klöster, unter anderem in Quedlinburg, Nordhausen und Enger. Diese geistlichen Orte waren nicht nur Stätten des Gebetes, sondern auch Zentren von Bildung, Kultur und sozialer Fürsorge. Nach dem Tod ihres Gemahls im Jahr 936 zog sich Mathilde zunehmend aus der weltlichen Politik zurück. In Quedlinburg, wo König Heinrich I. bestattet wurde, gründete sie ein bedeutendes Damenstift. Dort widmete sie sich der Memoria – dem liturgischen Gedenken der Verstorbenen ihres Hauses – und leitete über drei Jahrzehnte hinweg den Frauenkonvent mit Weisheit und geistlicher Tiefe. Trotz innerfamiliärer Spannungen blieb sie standhaft im Glauben. Zeitgenössische Berichte schildern sie als milde, geduldig und zugleich entschlossen. Ihre Lebensführung war von persönlicher Bescheidenheit geprägt – sie widmete sich sogar der Handarbeit, was für eine Frau ihres Standes ungewöhnlich war. Am 14. März 968 vollendete sie ihr irdisches Leben in Quedlinburg. Bald nach ihrem Tod setzte eine breite Verehrung ein.
Die diesjährigen Festtage begannen am Mathildentag (14. März 2026) abends mit einer „Musikalischen Vesper“ in der Pfarrkirche St. Mathildis. Höhepunkt war das Pontifikalamt am Sonntag in der Stiftskirche St. Servatii, das vom Magdeburger Bischof Dr. Gerhard Feige zelebriert wurde. Die Servatiuskirche hatte einen Vorgängerbau aus dem ersten Drittel des 10. Jahrhunderts. Mit dem Tod König Heinrichs I. und der Errichtung des Damenstifts auf dem Stiftsberg erfuhr der Kirchenbau unter Königin Mathilde und ihrer gleichnamigen Enkelin, der Äbtissin Mathilde, noch im 10. Jahrhundert bauliche Erweiterungen mit dem Einbau der Confessio. 1021 wurde der dritte Kirchenbau und 1129 nach Brand sowie Wiederaufbau der vierte Kirchenbau geweiht. Die Stiftskirche zeigt sich im Wesentlichen so noch heute dem gläubigen Besucher.
Passend zum Fest und Patrozinium nahm Bischof Dr. Feige in seiner Homilie Bezug zu Königin Mathilde als einer klugen und politisch handelnden Königin, welche sich auch vielfältig karitativ einsetzte. Am Ende des Pontifikalamtes begaben sich der Bischof und alle Mitfeiernden zu einer Statio in die romanische Krypta unter dem Hohen Chor von St. Servatii. Diese Confessio wurde im 10. Jahrhundert in den Felsen eingetieft. Der stark beeindruckende Raum diente schon zu ottonischer Zeit dem Totengedenken (Memoria). Hier befinden sich die Sarkophage König Heinrich I. und Königin Mathildes, letzterer noch in situ. Zum Auszug aus Krypta und Servatiuskirche erklang „Großer Gott, wir loben Dich“.
Das Mathildenfest bekam mit der Vesper am Sonntagnachmittag seinen Abschluss in der Kirche St. Mathildis. Die einschiffige neugotische Kirche ist die zweitjüngste der Stadt Quedlinburg und wurde 1858 von Bischof Konrad Martin von Paderborn konsekriert und der heiligen Mathilde geweiht. Mit ihrer schlichten Architektur passt sich die Kirche gut dem mittelalterlichen Stadtbild an.
Dr. Rudolf Geser FamOT
Dr. Olaf Zucht FamOT, Komtur