Aschermittwoch in Wien
Mit dem Gregorianischen Choral „Immutemur habitu“ (Lasst uns ein anderes Kleid anziehen: Sack und Asche. Lasst uns fasten und weinen vor dem Herrn, denn groß im Erbarmen und Verzeihen unserer Sünden ist unser Gott – Joel 2,13) begann heuer die Aschermittwochsliturgie in der Wiener Deutschordenskirche mit Hochmeister Generalabt Frank Bayard, den Teilnehmern des tagenden Generalkapitels sowie Familiaren der Ballei Österreich und der Kirchengemeinde.
Hochmeister Frank wies in seiner Homilie auf die Bedeutung des Aschenkreuzes als Zeichen der Buße hin. Es ist eine Erinnerung daran, dass wir Fehler machen. Aschermittwoch ist Anlass zum Innehalten, zum Vergegenwärtigen der eigenen Begrenztheit und Endlichkeit. Gott kennt unsere Schwächen und Grenzen, unser Versagen – er verlässt uns aber nicht, er liebt uns, vielleicht gerade deswegen. Wenn bei der Spendung des Aschenkreuzes der Satz „Gedenke Mensch, dass Du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ gesprochen wird, ist dies der Hinweis darauf, dass Gott selbst aus Dreck und Asche etwas schaffen kann, indem er mit seinem Geist Leben einhaucht. Erst sein Geist ist es, der uns vom Tod zum Leben führt. Das Aschenkreuz soll uns auch für die kommenden vierzig Tage zum Innehalten anregen, ein wenig Zeit und Raum für Gottes überraschende Spontanbesuche geben, für die Momente, wo er unser Leben durchkreuzt und damit auch einen Blick in das Göttliche und das Ewige gewährt. Die Fastenzeit ist nicht eine Zeit der Trauer und des Trübsals, sondern eine des Lebens und der Freude, wenn auch nicht so überschwänglich und plakativ wie der Fasching. In der Fastenzeit sollten wir uns Zeit für das eigene Leben und damit für Gott nehmen, darüber nachdenken, wer ich bin, was mich trägt, was ich will und wo der Sinn meines Tuns liegt. Dabei können wir auch erkennen, wie Gott in unserem Leben wirkt und wie sehr er es mit seiner Liebe durchhaucht.
Nach der Homilie erfolgte die Austeilung des Aschenkreuzes unter dem Gregorianischen Choral „Dele, Domine, iniquitatem meam“ (Tilge, o Herr, meine Sünden – Psalm 51). Dadurch sollen wir die eigenen hellen und dunklen Seiten wahr- und annehmen können, es macht uns frei, umzudenken und im Vertrauen auf Gottes Begleitung neue Wege einzuschlagen. Mit dem Segen und dem Gregorianischen Choral Ave Regina coelorum wurde die Aschermittwochsliturgie beendet.
Prof. Dr. Rudolf Müller FamOT
Altballeimeister