Sitzung der Balleileitung und Mitfeier des Karlsamts
Am Samstag, 31. Januar 2026, tagten am Sitz der Ballei, in Deutschorden Frankfurt-Sachsenhausen, die Balleileitung und der Deutschherrenvorstand gemeinsam mit den Komturen. Gut fünf Stunden lang wurde die Jahresagenda besprochen, Arbeitsschwerpunkte festgelegt sowie der Finanzabschluss des vergangenen wie das Budget des laufenden Jahres diskutiert.
Am Abend besuchte die Balleileitung zusammen mit den Confratres der Komturei „An Rhein und Main“ das Karlsamt. Zum 1212. Todestag von Kaiser Karl dem Großen zogen auch die Ritterorden in langer Prozession zu dem feierlichen Pontifikalamt in den Frankfurter Kaiserdom ein. Das Karlsamt gibt es seit 1332. Seit fast 700 Jahren wird alljährlich im Gebet an den Gründervater Europas gedacht, der auch Patron der Stadt und des Kaiserdoms ist. In dem farbenprächtigen Gottesdienst erklingen mittelalterliche lateinische Gesänge wie die Karlssequenz, ein Lobgesang auf Kaiser und Stadt, und die Kaiserlaudes, in der Huldigungsrufe an Christus mit Bittrufen für Kirche, Papst, Bischof, das deutsche Volk und alle Regierenden verbunden werden.
Dem Karlsamt steht jedes Jahr ein europäischer Bischof als Hauptzelebrant und Prediger vor, in diesem Jahr war es der Erzbischof von Luxemburg, Jean-Claude Kardinal Hollerich SJ. In seiner Predigt hat Kardinal Hollerich die internationale Gemeinschaft zur Verteidigung des Völkerrechts aufgerufen. Kein Staat auf der Welt sei wichtiger als andere Länder. Es gebe ein internationales Recht, das für Gerechtigkeit im Zusammenleben der Länder stehe. „Das heißt, dass kein Land das Recht hat, andere Länder zu überfallen“, betonte der Kardinal. Es bedeute auch, „dass kein Land ein Recht auf Ölreserven von anderen Ländern hat“, ohne konkreter zu werden. Offenbar bezog er sich damit auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sowie die Militäraktion der USA gegen Venezuela. Kardinal Hollerich beklagte, die internationale Rechtsordnung werde derzeit infrage gestellt. Dies sei ein Rückfall in eine Zeit, „wo der Stärkere diktiert, was Recht ist; wo der Bürger eines Landes mehr Rechte hat als der Bürger eines anderen Landes“. Kardinal Hollerich fragte: „Wo ist da die Gleichheit aller Menschen vor Gott?“ Als Christ wisse man: „Alle Menschen sind von Gott erschaffen, alle Menschen sind von Gott gewollt und alle Menschen sind von Christus erlöst – alle!“ Jeder Mensch sei letztlich Bruder oder Schwester in einer internationalen Gemeinschaft. Die politische Ordnung müsse daher „Sorge tragen für das Wohl aller“. Recht und Gerechtigkeit gehörten untrennbar zur europäischen Friedensordnung. Kaiser Karl der Große habe den Grundstock für den Rechtsstaat gelegt. Wenn in den gegenwärtigen Zeiten die internationale Rechtsordnung infrage gestellt werde, „dann fallen wir zurück in die Zeit zwischen Völkerwanderung und Karl dem Großen“, kritisierte der Festprediger.
Beim anschließenden Empfang im Haus am Dom bestand Gelegenheit mit Kardinal Hollerich ins Gespräch zu kommen. Der Deutsche Orden war Eminenz gut bekannt, auch die Deutschordenskirche hat er nach eigenem Bekunden häufig besucht, als er Ende der 1980er-Jahre an der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt ein Lizentiat in Theologie erwarb.
Thomas Jünger FamOT
Balleimeister • Deutschherrenmeister