Familiaren kochen gemeinsam für die Suppenküche der Franziskaner
Nur wenige Schritte vom Hochmeisteramt des Deutschen Ordens entfernt, auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Singerstraße, befindet sich das Franziskanerkloster. In der im Hochbarock prächtig ausgestatteten Kirche mit der ältesten Kirchenorgel Wiens findet Jahr für Jahr, an einem Samstag rund um das Elisabethfest, die Investitur der Neufamiliaren statt. Jeden Freitag aber versammeln sich schon früh morgens bedürftige Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, um sich im Refektorium eine Schale heiße Suppe, Obst und Brot oder Gebäck abzuholen. Manchmal gilt es auch ein wärmendes Kleidungsstück oder Artikel des täglichen Bedarfs mitzunehmen und ein persönliches Wort zu wechseln.
Getreu dem Ordensmotto „Helfen und Heilen“ haben die Familiaren der Ballei Österreich beschlossen, zweimal jährlich diese karitative Einrichtung regelmäßig zu unterstützen, Nachbarschaftshilfe im besten Sinn des Wortes. Am 28.November war es wieder so weit. Schon zu Beginn der Woche fuhren die beiden für die Suppenküche hauptverantwortlichen Confratres Rudi Oezelt und Ulrich Voit in den Großmarkt, um Fleisch und Gemüse in großen Mengen einzukaufen.
Das Konveniat am Donnerstagabend eröffnete Pater Josef OFM mit einer Andacht in der Friedenskapelle des Klosters. Gesungen wurde „Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren“ und meditiert über einen Text von Edith Stein. Dann ging es in die bestens ausgestattete Klosterküche . Dort warteten schon scharfe Messer und Schneidbretter auf die Confratres. Die Aufgabe besteht darin, gut 75 Kilogramm Zwiebeln, Kartoffeln und anders Gemüse in kleine, mundgerechte Würfel zu schneiden und einen großen Kipper voll Hackfleisch, in Wien sagt man Faschiertes, zu braten. In gut eineinhalb Stunden waren die Vorbereitungen abgeschlossen und so konnten am darauffolgenden Morgen 200 (!) Portionen „winterlicher Spitzkohl“ an die Gäste ausgeteilt werden.
Zeitig in der Früh herrschte schon wieder reges Treiben in der Klosterküche, Brot der Bäckerei von Familie Felber und Mehlspeisen aus der Konditorei Wannemacher wurden angeliefert. Den Sponsoren sei herzlich gedankt. In der Zwischenzeit hatten die Confratres, die sich zur Frühschicht gemeldet hatten, alle Hände voll zu tun, alles für den Ansturm der Gäste vorzubereiten. Und tatsächlich, sie kamen sehr zahlreich. Zum einen, weil es einer der ersten kalten Wintertage des Jahres ist, aber auch, weil es sich offenbar herumgesprochen hat, dass der Eintopf aus Spitzkohl und Rindfleisch in einer sämigen Käsesauce, das Rezept stammt ursprünglich aus Norddeutschland, besonders gut schmeckt.
Um elf Uhr verließen die letzten Gäste das Refektorium und schon eine Stunde später ist das gesamte Geschirr gewaschen, die Tische gewischt und der alte Dielenboden zusammenkehrt. Bis zum nächsten Mal, wenn wieder die Suppenküche im Franziskanerkloster die Familiaren ruft.
PD Dr. Helmut Wohnout FamOT
Balleimeister